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Rad
16.01.2026
World Tour, Vorschau (4), Extra Tudor: Tudor hat 2026 Grosses vor

Das Schweizer Radsportteam Tudor Pro Cycling um Mitbesitzer Fabian Cancellara hat ambitionierte Pläne. 2026 soll ein Etappensieg bei einer Grand Tour gelingen, langfristig der Aufstieg in die World Tour.

Die aufstrebende Schweizer Equipe Tudor Pro Cycling hat sich vor der Saison 2026 selbstbewusst positioniert. Am Medientag im spanischen Moraira an der Costa Blanca zeigte sich Miteigentümer Fabian Cancellara vergangene Woche zuversichtlich und formulierte klare Ambitionen für die kommenden Jahre. Nach dem abgeschlossenen Dreijahreszyklus gehört das Team zu den beiden punktbesten ProTeams unterhalb der WorldTour und verfügt damit 2026 über automatische Startrechte bei sämtlichen Rennen der höchsten Kategorie.

"Mit Blick auf die Saison 2026 bieten uns unser gesicherter Rennkalender und die automatischen WorldTour-Einladungen wertvolle Planungssicherheit. Das ist eine bedeutende Verbesserung gegenüber dem letzten Jahr", erklärte Cancellara. "Unser klares Ziel ist es, uns bis Anfang 2029 einen Platz in der WorldTour zu sichern, und die kommende Saison ist ein entscheidender erster Schritt auf dem Weg zu diesem ehrgeizigen Ziel."

Sportlich setzt Tudor 2026 einen Schwerpunkt auf die drei grossen Landesrundfahrten. Ein ambitionierter Ansatz für ein ProTeam, zumal das Sammeln von Weltranglistenpunkten bei dreiwöchigen Rennen anspruchsvoll ist. Im 30-köpfigen Team gilt Michael Storer derzeit als aussichtsreichster Kandidat für ein Topresultat in einer Grand Tour. Der Australier formulierte sein Ziel klar: "Alles muss für mich perfekt laufen, aber dann kann ich mit den besten Fahrern der Welt mithalten." Der Giro d'Italia, den er im Vorjahr als Gesamtzehnter beendete, ist sein "absolutes Hauptziel für die erste Saisonhälfte".

Mindestens einen Etappensieg beim Giro, der Tour de France oder der Vuelta will Tudor 2026 einfahren. "Das ist das Hauptziel der Saison", erklärte Cancellara. Bei der Frankreich-Rundfahrt soll vor allem der Einheimische Julian Alaphilippe für offensive Akzente sorgen. Im ersten Teil der Saison gilt die Aufmerksamkeit des zweimaligen Weltmeisters dem italienischen Eintagesrennen Strade Bianche und den Ardennen-Klassikern.

Mit der Verpflichtung von Stefan Küng ist die Schweizer Fraktion im Team auf neun Fahrer angewachsen. Der Thurgauer Zeitfahr- und Klassikerspezialist sorgt für mehr Breite und Erfahrung. Nach sieben Saisons bei Groupama-FDJ, in denen er nur im letzten Jahr auf eine Tour-Teilnahme verzichten musste, rückt die Frankreich-Rundfahrt für den mehrfachen WM-Medaillengewinner 2026 besonders in den Fokus.

"Das Mannschaftszeitfahren zu Beginn der diesjährigen Tour de France ist ein wichtiger Höhepunkt in meinen Rennkalender", sagt der 33-Jährige, der die nächsten drei Saisons für Tudor fährt. Im Frühling wird Küng wie gewohnt seinen Fokus auf die Pavé-Klassiker richten.

Ob Marc Hirschi erneut an der Tour de France startet, ist noch offen. 2025 konnte der Berner die hohen Erwartungen als Top-Neuzugang nicht vollständig erfüllen. Umso zuversichtlicher blickt Hirschi auf sein zweites Vertragsjahr: "Die Pause zwischen den beiden Saisons tat mir mental sehr gut. Ich konnte einen Reset machen und bin nun voll auf die nächste Saison fokussiert."

Im Hinblick auf den Formaufbau nimmt Hirschi leichte Anpassungen vor. Er plant, später ins Höhentrainingslager zu gehen und dort kürzer, dafür intensiver zu arbeiten. Ziel ist es, mit mehr Frische in die entscheidenden Rennen zu starten. Für 2026 ist ein Neustart vorgesehen - inklusive einer Giro-Premiere, die im Vorjahr aus Formgründen nicht zustande kam. Zuvor soll Hirschi gemeinsam mit Julian Alaphilippe in den Ardennen um Spitzenplätze kämpfen.

Parallel zum sportlichen Ausbau investiert Tudor weiter in die Infrastruktur. CEO Raphael Meyer kündigte an, dass der neue Hauptsitz in Sursee voraussichtlich Ende Jahr bezogen werden kann. Der 18 Millionen Franken teure Neubau soll Trainings-, Reha- und Höheneinrichtungen, Werkstätten, Büros sowie ein öffentliches Velo-Erlebniszentrum umfassen. Meyer sprach von einem "visionären Projekt, das entscheidend dazu beitragen soll, unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen".

Ob Tudor sportlich mit dem rasanten strukturellen Wachstum Schritt halten kann, wird sich 2026 zeigen.

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