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Rad
27.07.2026
Tour de France, Nachzug: Teamplayer und Kannibale

Fünf Toursiege, zwei Weltmeistertitel und inzwischen 26 Etappensiege an der Tour de France: Doch Tadej Pogacar ist nicht nur ein Kannibale und sportlich längst in die Reihe der Grössten aufgestiegen, er ist auch ein Teamplayer.

Seine Dominanz wirkt bisweilen erdrückend. Wenn der Slowene in den Bergen beschleunigt, bleibt seinen Rivalen oft nur die Rolle der Zuschauer. Der zweitklassierte Remco Evenepoel sprach während der diesjährigen Tour von einer "Mission Impossible".

Doch wer Pogacar nur über seine Leistungen definiert, greift zu kurz. Hinter dem Ausnahmeathleten steht eine Persönlichkeit, die innerhalb seines Teams weniger durch Lautstärke als durch Vertrauen führt. Dies geht aus diversen Interviews hervor, welche die Sportzeitung "L'Equipe" mit dem UAE-Teamchef führte, dem Tessiner Mauro Gianetti.

Die Beziehung gehe weit über ein gewöhnliches Arbeitsverhältnis hinaus, betonte der Schweizer. Die Fahrer wollten nicht einfach für ihren Captain arbeiten, sondern einem Freund helfen. Autoritäre Ansprachen brauche es deshalb nicht. Pogacar erledige seine Arbeit, seine Teamkollegen die ihre. All dies getragen von einer Professionalität und einer gegenseitigen Loyalität, die über Jahre gewachsen sei.

Gianetti beschreibt seinen Captain als fordernd, aber nie verletzend. Läuft etwas nicht nach Plan oder kosten Medienauftritte wertvolle Zeit, könne Pogacar durchaus gereizt reagieren. Seinen Frust lasse er jedoch nie an seinen Mitfahrern aus.

Für Gianetti ist der 27-Jährige deshalb längst mehr als ein erfolgreicher Radprofi. "Er hat die Aura, das Charisma, die Anziehungskraft eines Roger Federer. Er ist eine Ikone", sagte der Teamchef gegenüber dem Portal "CyclingUpToDate". Seit dem Wechsel zu UAE im Jahr 2019 habe er nicht nur einen herausragenden Sportler wachsen sehen, sondern auch einen Menschen, der trotz seiner Ausnahmestellung die Nähe zu seinem Umfeld nie verloren habe.

Pogacar selber formulierte es am Sonntagabend im Siegerinterview so: "Das Wichtigste ist, dass man liebt, was man tut, und Menschen um sich hat, denen man vertrauen kann. Menschen, die einem helfen und in schwierigen Momenten für einen da sind. Auf dieser Grundlage kann man aufbauen und seine Träume verfolgen."

Hinzu kommt eine weitere Komponente. Der Slowene selbst sieht seinen Erfolg weniger in aussergewöhnlichen körperlichen Fähigkeiten als in der täglichen Arbeit an den Details. "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich seit 2024 wesentlich stärker geworden bin. Aber ich habe mehr Erfahrung, kleine Dinge verbessern sich nach wie vor. Es kommt auf die Details an", sagte der Dominator vergangenen Freitag nach dem spektakulären Sieg auf der Alpe d'Huez. Gianetti schiebt nach: "Er ist eine fordernde Persönlichkeit, die sehr auf Details achtet, insbesondere beim Material, um die bestmögliche Leistung zu erzielen."

Nach dem fünften Toursieg wird Pogacar nach neue Zielen suchen. Weitere Siege an der Tour de France, das ist klar. Doch der Slowene verfolgt auch eine Bucket list. 2026 holte er sich beispielsweise als Vorbereitung auf die Frankreich-Rundfahrt die Siege an der Tour de Romandie und der Tour de Suisse. Zwei wichtige Einträge fehlen allerdings noch: Von der Vuelta ist die Rede, die am 22. August in seinem Wohnort Monaco beginnt. Und der Sieg beim Klassiker Paris-Roubaix blieb ihm bei zwei zweiten Plätzen bisher verwehrt.

Welche Ziele er als nächstes anpacken wird, liess er am Sonntagabend gegenüber der Nachrichtenagentur afp offen: "Wir haben gerade einen Traum verwirklicht. Lassen wir uns nicht hetzen und geniessen wir diesen Moment zuerst." Um die Tour de France zu gewinnen, müsse man viel leiden. "Schon allein, um überhaupt dabei zu sein, und dann erst recht im Duell mit den grössten Rivalen, die alle in Topform sind. Ja, ich habe gelitten", betonte der zweifache Weltmeister. Auf die Nachfrage nach der Vuelta-Teilnahme liess er sich nicht in die Karten blicken. "Wir werden sehen."

Viele Experten halten den Start des Überfliegers an der Vuelta 2026 für wahrscheinlich. Nach Tour de Romandie, Tour de Suisse und Tour de France sollte die Beine noch frisch genug sein. Auch Fürst Albert II. von Monaco streute Gerüchte, worauf Pogacar gegenüber "radsport-news.com" scherzte: "Wenn der Fürst das sagt, stehen die Chancen gut." Gegen eine Teilnahme spricht bloss das enge Zeitfenster zur WM in Kanada, wo der Slowene zum dritten Mal in Serie Weltmeister werden könnte.

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