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24.04.2026
Lüttich-Bastogne-Lüttich, Story Evenepoel: Grosse Erwartungen, grosses Ego

Gegen Ausnahmekönner Tadej Pogacar ist der Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel stets chancenlos. Bei der Tour de France droht dem Belgier gar die Helfer-Rolle.

Abgesehen von den Zeitfahren konnte Evenepoel seit drei Jahren in keinem Eintagesrennen mehr vor dem grossen Star der Branche landen. Zehn dieser zwölf Rennen - von WM, EM bis zu den Klassikern - beendete Pogacar gar als Sieger. Dazu war der Slowene auch bei der Tour de France in den letzten beiden Jahren gegen Evenepoel haushoch überlegen.

Das ist für den belgischen Radstar mit dem grossen Ego nur schwer zu akzeptieren. "Es ist ein Ansporn", sagte Evenepoel jüngst der italienischen Zeitung "Gazzetta dello Sport" und betonte: "Ich möchte die beste Version von mir selbst erreichen, die ich je gesehen habe - und die noch nicht zu sehen war. Auf dem Rad und als Mensch. Ich kann noch viel lernen. Ich glaube, ich habe grosses Entwicklungspotenzial."

Für Evenepoel hat das Team Red Bull vor der Saison viel Geld in die Hand genommen. Von einem Gesamtvolumen von 20 Millionen Euro in drei Jahren ist laut Medienberichten die Rede, womit der 26-Jährige direkt hinter Pogacar der Topverdiener im Radsport wäre. Mit sieben Saisonsiegen hat Evenepoel schon etwas zurückgezahlt, am vergangenen Wochenende gewann er - in Abwesenheit von Pogacar - das Amstel Gold Race. Nun am Sonntag bei Lüttich-Bastogne-Lüttich treffen die zwei Topstars jedoch aufeinander.

Allerdings wird es kaum bei einem reinen Zweikampf bleiben. Das französische Ausnahmetalent Paul Seixas wird nach seinem bärenstarken Frühjahr ebenfalls ganz vorne erwartet und könnte dafür sorgen, dass aus dem Duell der Giganten ein packender Dreikampf wird.

Gleichwohl denkt Red Bull in anderen Dimensionen. Die Tour de France ist das grosse Ziel. Die Experten bezweifeln jedoch, dass Evenepoel jemals das Zeug zum Tour-Sieger hat. "Er hat alle Puzzleteile, nur dieses eine nicht. Ihm fehlt etwas in den hohen Bergen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass er die Tour im Moment gewinnen kann", meinte der ehemalige Tour-Sieger Andy Schleck.

Ähnlich sieht es Jens Voigt. "Remco ist ein ganz grosser talentierter Rennfahrer, aber drei Etappen hintereinander im Hochgebirge - ich glaube, das ist nichts für ihn. Da hat Florian Lipowitz seine Stärken", sagte der 17-malige Tour-Teilnehmer der Deutschen Presse-Agentur.

Muss Evenepoel in den Bergen womöglich für seinen deutschen Teamkollegen - Lipowitz wurde im vergangenen Jahr hinter Pogacar und Jonas Vingegaard immerhin Tour-Dritter - Helferdienste verrichten? Dann wäre der Belgier der teuerste Edel-Domestike der Radsport-Geschichte. Das Red-Bull-Team will aber zunächst mit beiden als Doppelspitze in die Frankreich-Rundfahrt gehen.

In Belgien galt Evenepoel einst als Jahrhundert-Talent, als der neue Eddy Merckx. Schliesslich brachte er eine spannende Vita mit. Mit 16 Jahren spielte er noch in der belgischen Fussball-Juniorenauswahl. Und den Halbmarathon lief er in beachtlichen 1:13 Stunden, ehe es doch der Radsport sein sollte. Die Erwartungen in der Heimat sind riesig.

Inzwischen kann er damit umgehen. "Ich fahre jetzt seit sieben oder acht Jahren professionell Velo, und das hilft. Schon bei meinem Debüt stand ich im Mittelpunkt, aber jetzt sind der Druck und die Erwartungen kein Problem mehr", sagte Evenepoel.

Am Sonntag soll es in Lüttich zum dritten Mal klappen - dieses Mal im direkten Duell mit Pogacar. Denn beim ersten Sieg 2022 fehlte der Slowene wegen eines Trauerfalls in der Familie seiner Partnerin, ein Jahr später musste er nach einem Sturz mit einem Kahnbeinbruch frühzeitig aufgeben.

folgt bis 15.00 Uhr Zusatz Mauro Schmid (ca. 1800 Z.)

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