20.08.2026
81. Vuelta, Vorschau (1), Text Pogacar: Vuelta als Pogacars letztes Puzzlestück
Wenige Schritte von seiner Wohnung entfernt nimmt Tadej Pogacar am Samstag die Spanien-Rundfahrt in Angriff. Der Sieg bei der dritten Grand Tour fehlt ihm noch. Doch zuvor winkt ihm ein neuer Mega-Vertrag.
Wenn direkt vor der eigenen Haustür im berühmten Hafen von Monaco ein Radrennen stattfindet und auch noch Fürst Albert II. einem seiner prominentesten Einwohner zujubeln will, kann Tadej Pogacar nun wirklich nicht Nein sagen. 26 Tage nach seinem historischen fünften Triumph bei der Tour de France beendet der Superstar seine Sommerferien und will eine der wenigen Lücken in seiner beeindruckenden Erfolgsbilanz schliessen. Der Gesamtsieg bei der am Samstag beginnenden Vuelta a España fehlt dem unumstrittenen Leader des Teams UAE Emirates noch.
Bevor der slowenische Weltmeister ins Rennen startet, wartet aber offenbar noch ein kaum weniger bedeutender Termin. Am Freitag will Pogacars Lager demnach bei einem Treffen mit Teamchef Mauro Gianetti und Teampräsident Matar Suhail Al Yabhouni Al Dhaheri im Fürstentum einen neuen Vertrag fixieren.
"Tadej ist zufrieden, aber es gibt einige Punkte zu besprechen. Dabei geht es nicht ums Geld. Wir werden über das Jahr 2031 sprechen. Wir wollen bestimmte Klauseln erörtern. Unsere Absicht ist es, den Vertrag zu verlängern", sagte sein Berater Alex Carera dem renommierten Radsport-Journalisten Daniel Benson.
Pogacars Kontrakt läuft aktuell bis 2030, in der Vergangenheit hatte der 27-jährige Ausnahmekönner auch mal über ein Karriereende nach den Olympischen Spielen 2028 nachgedacht. Eine vage Hoffnung, die seine Rivalen um Jonas Vingegaard, Remco Evenepoel oder Mathieu van der Poel wohl erst einmal ad acta legen können.
Um welche Klauseln es bei den Gesprächen genau geht, ist nicht bekannt. Von Bildrechten, Prämien, den Rennplänen seiner Teamkollegen oder der Nutzung eines Privatjets ist die Rede. Über Geld wird aber ganz sicher auch gesprochen. Als Pogacar kurz vor der Tour de France 2024 seinen Kontrakt verlängerte, soll sein Lohn auf schätzungsweise acht Millionen Euro angehoben worden sein.
Eine Summe, die seinem Leistungsvermögen kaum mehr gerecht wird. Denn seitdem hat Pogacar den Radsport dominiert wie vor ihm wohl nur Eddy Merckx. Drei weitere Gesamtsiege bei der Tour de France, zwei WM-Titel und etliche Klassiker-Siege sind seitdem hinzugekommen. Wenn Pogacar an die Startlinie rollt, geht es für die Konkurrenz meist nur noch um Platz 2.
So dürfte es auch bei der Spanien-Rundfahrt kaum anders sein. Alles andere als das Rote Trikot des Gesamtsiegers wäre am Ende eine Sensation. Auf den 3275 Kilometern von Monaco nach Granada gehört sein Landsmann Primoz Roglic vom deutschen Red-Bull-Team zu den grössten Rivalen. Der viermalige Vuelta-Sieger hat mit 36 Jahren allerdings seine beste Zeit hinter sich.
Pogacar, der bislang einmal als 19-Jähriger bei der Vuelta 2019 am Start stand und drei Etappen gewann, wäre bei einem Triumph erst der neunte Radprofi mit Siegen bei allen drei Grands Tours. Radsport-Legende Merckx geht aber noch weiter. Der Belgier traut ihm sogar alle drei Siege in einem Jahr zu. "Wenn es jemand schaffen kann, dann er", so Merckx.
Pogacar hegt aber noch andere Ziele. "Paris-Roubaix steht auf meinem Wunschzettel", sagt der Überflieger. Bei der Kopfsteinpflaster-Tortur in der Hölle des Nordens ist er zweimal von den Klassiker-Spezialisten Mathieu van der Poel (2025) und Wout van Aert (2026) ausgebremst worden. Auch Olympia-Gold in Los Angeles 2028 ist ein grosses Ziel und das WM-Trikot trägt er ohnehin gerne.
Nach seinem Tour-Sieg hat Pogacar aber erst einmal eine Pause eingelegt. Als Edel-Fan mit Hütchen jubelte er Freundin Urska Zigart bei der Tour de France der Frauen an der Strecke zu. Und in seiner Heimat richtete er die Pogi Challenge aus - mit einer ganz neuen Erfahrung. Den Sieg beim 15 Kilometer langen Anstieg an seinem Hausberg in Komenda holte sich ein deutscher Radsport-Amateur. Pogacar hatte dem Amateurfeld sieben Minuten Vorsprung eingeräumt. Bei den Bergriesen Spaniens dürfte der Slowene allerdings wieder weniger spendabel sein. Geschenke wird er der Konkurrenz dort ganz sicher keine machen.
Tippfehler im letzten Satz 1. Abschnitt nach dem Lead: UAE Emirates (nicht Emiretes)
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