30.07.2026
Tour de France Femmes, Vorschau (1), Text: Der Ventoux als Schicksalsberg
Die Tour de France Femmes startet am Samstag in Lausanne. Die ersten drei Etappen beginnen in der Schweiz. Ein Überblick über die anspruchsvolle Strecke der fünften Austragung.
2026 verspricht ein Rekordjahr für die Tour de France Femmes zu werden. Die Fahrerinnen nehmen mit 1175 Kilometern die längste Strecke der Geschichte unter die Räder und müssen mit 18'795 Höhenmetern so viele Höhenmeter überwinden wie nie zuvor. Das Rennen umfasst neun Etappen: drei Flachetappen, drei hügelige Etappen, zwei Bergetappen sowie ein Einzelzeitfahren.
Die 147 Fahrerinnen starten am Schweizer Nationalfeiertag in Lausanne am Genfersee in das wichtigste Rennen ihrer Saison. Anschliessend führt die Strecke durch den französischen Jura und das Burgund weiter in Richtung Süden bis nach Nizza. Auf dem Weg dorthin wartet mit dem Mont Ventoux eine wahre Ikone des Radsports. Mit 1909 Metern über Meer ist er der höchste Punkt dieser Ausgabe. Zum ersten Mal überhaupt wird der legendäre Berg von den Frauen befahren.
Zunächst steht jedoch die Westschweiz im Mittelpunkt und bildet den Auftakt der fünften Ausgabe der Tour in ihrer heutigen Form. Nach einer 138 Kilometer langen Schleife zwischen dem Genfer- und dem Neuenburgersee endet die 1. Etappe am Ausgangspunkt in Lausanne. Der Sieg dürfte an jene Fahrerin gehen, die den letzten Anstieg an der Côte de Saint-François (2,5 km bei 4,6 Prozent Steigung, gefolgt von 400 flachen Metern) am besten meistert.
"Fahrerinnen wie die Niederländerin Lorena Wiebes, derzeit die beste Sprinterin der Welt, kommen auch kurze Anstiege sehr gut hinauf. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass sie in Lausanne noch um den Sprint mitfahren wird", vermutet Marlen Reusser. Im Gegensatz zur Bernerin zählt die zweite Schweizer Starterin, Noemi Rüegg, nicht zu den Anwärterinnen auf den Gesamtsieg. Die Zürcherin gibt nach einem Oberarmbruch ihr Comeback, den sie sich vor drei Monaten an der Vuelta zugezogen hatte, nachdem sie dort zum Auftakt ins Leadertrikot gefahren war.
Die 2. Etappe über 148 Kilometer ist noch stärker auf die Sprinterinnen zugeschnitten. Sie führt von Aigle, dem Sitz des Internationalen Radsportverbands UCI, bis zum Quai du Mont-Blanc in Genf. Mit der 3. Etappe, die im Genfer Stadtquartier Plainpalais startet, verlässt der Tour-Tross schliesslich die Schweiz.
Der Kampf um die Gesamtwertung dürfte mit dem 21 km langen Einzelzeitfahren am vierten Tag beginnen. Marlen Reusser, die Weltmeisterin in dieser Disziplin, könnte dort ihr Regenbogentrikot gegen das Maillot jaune eintauschen.
"Ich finde den Kurs wirklich spannend", sagt sie. "Der erste Abschnitt bis zum Anstieg ist ziemlich technisch. Danach folgt im Mittelteil eine echt anspruchsvoller Steigung. Fahrerinnen, die sowohl sehr leistungsstark als auch ausgezeichnete Zeitfahrerinnen sind, können dort wahrscheinlich grosse Zeitabstände herausfahren. Reine Bergfahrerinnen werden hingegen wohl mehr Zeit verlieren."
Diese erhalten jedoch auf den folgenden, anspruchsvolleren Etappen die Gelegenheit, den Rückstand wieder wettzumachen; insbesondere auf den Strassen des entscheidenden Prüfsteins dieser Tour: dem Mont Ventoux. Mit 3565 Höhenmetern wird die 7. Etappe die härteste dieser Rundfahrt sein.
"Ich denke, dieser Anstieg liegt mir ganz gut", erklärt eine zuversichtliche Marlen Reusser. "Aber letztlich hängt alles davon ab, wie die Woche verläuft: wie gut man sich erholt, wie viel Kraft am entscheidenden Tag noch in den Beinen steckt und natürlich, wie die allgemeine Form ist. Dieser Anstieg verzeiht nichts."
Am 9. August überqueren die Fahrerinnen viermal den Col d’Èze oberhalb von Nizza, wo sie schliesslich das Ziel der Rundfahrt erreichen.
Im vergangenen Jahr sorgte die Französin Pauline Ferrand-Prévot für eine Überraschung, als sie sowohl die Gesamtwertung als auch beide Bergetappen gewann. Nach überstandenen Verletzungen und gestärkt durch ihren Sieg bei der Tour de Suisse hofft Marlen Reusser nun, ihr nachzufolgen und ihrer Erfolgsliste einen weiteren grossen Triumph hinzuzufügen.
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