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25.09.2026
WM26 Montreal Vorschau Strassenrennen Männer: Viele Anwärter in Pogacars Abwesenheit

Ohne Tadej Pogacar ist das WM-Strassenrennen so offen wie lange nicht mehr. Das Schweizer Team will aus der Aussenseiterrolle offensiv seine Chance suchen.

Tadej Pogacar fehlt, sein Regenbogentrikot ist neu zu vergeben. Im WM-Strassenrennen von Montreal bietet sich am Sonntag gleich mehreren Fahrern die Chance, in die Fussstapfen des zweifachen Titelverteidigers zu treten. Fünf Namen stehen auf dem 273,7 km langen und mit 3803 Höhenmetern gespickten Parcours besonders im Fokus.

Allen voran Remco Evenepoel. Der Vorjahreszweite hat in Montreal bereits geliefert und sich am vergangenen Sonntag im Einzelzeitfahren überlegen zum vierten Mal in Folge den WM-Titel gesichert. Nun kann der Weltmeister von 2022 Geschichte schreiben: Noch nie hat ein Mann an derselben WM sowohl das Einzelzeitfahren als auch das Strassenrennen gewonnen.

Auch die Form spricht für den Belgier. Nach Platz 2 und zwei Etappensiegen an der Tour de France gewann er die Clasica San Sebastian und kurz vor der WM den Grand Prix de Québec. Zudem besitzt Evenepoel mehrere taktische Möglichkeiten: Er kann aus grosser Distanz angreifen, hat in dieser Saison aber auch mehrfach seine Stärke im Sprint nach einem harten Rennen gezeigt.

Mathieu van der Poel weiss seit seinem Triumph 2023 in Glasgow, wie man Strassen-Weltmeister wird. Die Frage ist, ob der anspruchsvolle Rundkurs am Mont Royal seinem kräftigen Körperbau entgegenkommt. Ähnliche Zweifel gab es allerdings bereits vor der WM 2024 in Zürich, als der Niederländer auf einem noch höhenmeterreicheren Parcours Bronze gewann.

Auch seine Form stimmt. Bei seiner WM-Hauptprobe gewann Van der Poel letzte Woche an der Luxemburg-Rundfahrt zwei Etappen, eine davon nach einer 175 km langen Soloflucht, der längsten des Jahrhunderts.

Auch Isaac del Toro gehört zu den heissesten Anwärtern. Der 22-jährige Mexikaner beendete die Tour de France in diesem Jahr als Dritter und gilt bei UAE Emirates als Kronprinz von Pogacar. Zudem weiss er bereits, wie man auf dem WM-Parcours gewinnt: Vor weniger als zwei Wochen entschied er den GP Montreal auf praktisch demselben Rundkurs für sich. Am Anstieg von Camillien-Houde war er der einzige Fahrer, der auf die Attacke von Paul Seixas reagieren konnte, ehe er den Franzosen im Sprint bezwang.

Schon bei seiner WM-Premiere im vergangenen Jahr sorgte Del Toro als Siebter für das beste mexikanische Resultat der Geschichte. In Montreal ist die Rollenverteilung klar: Mexiko setzt alles auf Del Toro, der allerdings der einzige World-Tour-Fahrer im sechsköpfigen Team ist.

Auch Paul Seixas könnte für einen historischen Eintrag sorgen. Gewinnt der erst 19-jährige Franzose, wäre er der jüngste Strassen-Weltmeister der Geschichte. Den Rekord hält seit 1934 der Belgier Karel Kaers, der bei seinem Triumph 20 Jahre und 76 Tage alt war.

Seixas hat sein Ausnahmetalent in dieser Saison mit Siegen bei der Baskenland-Rundfahrt und der Flèche Wallonne sowie Platz 4 bei seiner ersten Tour de France unter Beweis gestellt. In Montreal gewann er bereits Bronze im Einzelzeitfahren. Beim GP Montreal zeigte er zudem mit einer Attacke am Camillien-Houde, wie gut ihm der WM-Parcours liegt.

Belgien verfügt mit Wout van Aert über einen zweiten Trumpf. Der zweimalige WM-Zweite gewann in diesem Frühling erstmals Paris-Roubaix und meldete sich nach dem verletzungsbedingten Verpassen der Tour de France mit zwei Etappensiegen und dem Gewinn der Punktewertung and der Vuelta zurück.

Spannend wird, wie Belgien seine Doppelspitze ausspielt. Dass Evenepoel und Van Aert erfolgreich zusammenspannen können, haben sie bereits bewiesen. Van Aert spielte sowohl bei Evenepoels WM-Triumph 2022 als auch bei dessen Olympiasieg 2024 in Paris eine Rolle.

Hinter den meistgenannten Anwärtern lauert eine ganze Reihe weiterer Nationen. Grossbritannien setzt unter anderen auf Tom Pidcock, Spanien auf Vuelta-Sieger Enric Mas und Juan Ayuso. Slowenien wird in Abwesenheit Pogacars von Primoz Roglic angeführt, Österreich von Felix Gall. Mit Ben Healy verfügt Irland über den WM-Dritten des Vorjahres.

Auch die USA mit Brandon McNulty, Quinn Simmons und Matteo Jorgenson sowie Italien um den letztjährigen WM-Sechsten Giulio Ciccone verfügen über mehrere Optionen. Australien kann auf die früheren WM-Medaillengewinner Michael Matthews und Ben O'Connor zählen, Dänemark wird von Ex-Weltmeister Mads Pedersen angeführt.

Das sechsköpfige Schweizer Team will aus der Aussenseiterrolle heraus versuchen, dem erwarteten Schlagabtausch der grossen Namen zuvorzukommen. "Wir wollen ein offensives Rennen fahren", hielt Nationaltrainer Michael Schär in einer Medienrunde am Freitag fest. Er sprach von "drei, vier Karten", die man spielen könne, wollte die Rollenverteilung aber nicht öffentlich preisgeben. Wer sich letztlich in den Dienst der anderen stellt, soll sich je nach Tagesform im Rennen weisen.

Als Leader dürfte Mauro Schmid vorgesehen sein. Der Etappensieger der diesjährigen Tour de France bringt ebenso wie Jan Christen das Profil für einen Angriff aus grösserer Distanz mit. Mit Stefan Küng und Marc Hirschi stehen zudem zwei frühere WM-Dritte im Aufgebot.

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